
Das Bild zeigt die Fotografin Barbara Klemm in der Frankfurter Paulskirche (Foto aus wikipedia)
Ohne Farbe und doch so farbig!
Irgendetwas fasziniert mich an ihr. Was ist es? Ihre Natürlichkeit?
Ihre Ausstrahlung, die Besonderes und doch zugleich
Normales erstrahlen lässt? Sie wirkt zufrieden, ausgeglichen und
freudig. Dazu hat sie auch gute Gründe. Wird sie doch heute geehrt,
mit einem besonderen Preis. Mit einem Preis, der herausragende
Künstler auszeichnet, dem Max-Beckmann-Preis, der in Höhe von
50.000 € alle drei Jahre vergeben wird.
Ihre zahlreichen Fans sowie Prominente aus Politik und
Wirtschaft haben sich versammelt, um in der historisch bedeutsamen
Paulskirche in Frankfurt am Main zugegen zu sein, wenn sie ihre Ehrungen
entgegen nimmt. Die Paulskirche ist voll besetzt. Die
Oberbürgermeisterin Frau Dr. h.c. Petra Roth hält eine
Begrüßungsrede. Durs Grünbein, Lyriker und Essayist
verzaubert anschließend die Gäste mit seiner Laudatio an
Barbara Klemm. Es wird nun erstmals eine Fotografin mit diesem Preis
geehrt. Durs Grünbein nimmt uns mit auf eine Reise seiner
persönlichen Erfahrungen mit Barbara Klemm, amüsiert pointiert
und beschreibt in feinsten Zügen ihr Wirken und ihre Arbeitsweisen.
Er spricht, man merkt, der Umgang mit Sprache, sind seine Stärken.
Barbara Klemm betritt zur Dankesrede diesen Platz und es bleibt dem
Publikum nicht verborgen, dass dies nicht ihre Stärken sind. Aber
sie verzaubert mit ihrem natürlichen Charme. Ihre Stärken sind
die Fotografie, speziell die Schwarz-Weiß-Fotografie und ihr
sensibler Blick für den richtigen Moment und die richtige
Perspektive und nicht zu vergessen, ihr Können für die
entsprechende Entwicklungstechnik, die ganz spezielle Möglichkeiten
bietet, ein Foto in seiner Farbigkeit zu verstärken, zu
dämpfen und zu gestalten, selbst bei Schwarz-Weiß-Aufnahmen.
Sie hat es gelernt, von der Pike auf.
Sie war von Kindesbeinen an von Kunst und Fotografie
umgeben. Ihr Vater, Fritz Klemm, ein angesehener Maler und Prof. an der
Kunstakademie in Karlsruhe sorgte für frühes
Kunstverständnis. Die Fotografie entfachte ihre Leidenschaft. Sie
absolvierte eine Atelierfotografenlehre in Karlsruhe. Seit 1959 lebt sie
in Frankfurt am Main arbeitete erst freiberuflich für die
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und später als
Redaktionsfotografin. Es gelang ihr in ihrem Wirken
außergewöhnliche politische und gesellschaftlich relevante
Situationen in einem perfekten Moment festzuhalten. So wurden diese
Aufnahmen nicht nur zu brillanten Fotos, die ganze Geschichten
erzählten, sondern wichtige zeitgeschichtliche Zeugnisse.
Es ist ihre Kunst, es ist ihr Lebenswerk, das heute zur
Ehrung gelangt. Sie kann sich freuen und sie freut sich über die
Anerkennung ihrer Arbeit, aber auch über die Anerkennung der
Fotografie als Kunst.
12.02.2010, Jutta Bossecker