Die Tennisprofis Roger Federer,
der als Erster überhaupt zum
dritten Mal nacheinander Weltsportler des Jahres
wurde und sich nur
per Video bedankte, sowie Comeback-Siegerin Serena
Williams und die
für ihre ersten Grand-Slam-Siege bedachte
Amelie Mauresmo hatten sich
dagegen nicht aufraffen können, den Preis
persönlich abzuholen. Auch
der Amerikaner Kelly Slater fehlte als weltbester
Action-Sportler,
weil er einen Surf-Wettkampf zu absolvieren hatte.
Von der Mannschaft
des Jahres schließlich, den
Fußball-Weltmeistern aus Italien, kam
einzig Alessandro Del Piero vom Zweitligisten
Juventus Turin.
«Wir sind eine junge
Organisation und machen noch Fehler»,
sagte
Boris Becker als Gründungsmitglied der
Laureus-Akademie am Rande der
Feierlichkeiten in einem Interview mit der dpa.
«Aber wir sind auf
einem guten Weg.» Wie schwer es für die Sportler manchmal
ist,
während der Saison zu einer solchen
Veranstaltung zu kommen, weiß der
dreimalige Wimbledonsieger nur zu genau. Ein
anderer Termin wäre ihm
deshalb wünschenswert: «Am liebsten am
Ende des Jahres.»
«Ich wusste gar nicht, was für eine
gigantische Veranstaltung das
hier ist», sagte Beckenbauer. Der «Kaiser» ist
Gründungsmitglieder
der Laureus-Akademie, doch bei den
Festivitäten war der
«Regisseur»
des WM-Sommermärchens noch nie gewesen. Seine
einstigen Gegnern auf
dem Fußballplatz, der Engländer Bobby
Charlton und Johan Cruyff
übergaben ihm den Preis für sein Lebenswerk. Den
Affront des im WM-
Finale von 1974 unterlegen Niederländers
(«Beckenbauer war zu seiner
Zeit einer der besten Fußballer in
Deutschland») ließ der «Kaiser»
souverän abprallen und antwortete lässig: «Es
ist schön, den Preis
von Sir Bobby und König Johann
überreicht zu bekommen.»
Auf der Durchreise zum
Champions-League-Spiel seines FC Bayern
beim AC Mailand genoss Beckenbauer die
Auszeichnung, «die etwas ganz
besonderes für mich ist». In seiner Dankesrede wurde das
einstige
«Fußball-Genie» (Charlton) aber
auch nachdenklich. «Dass Nelson
Mandela Recht hat, wenn er sagt: Sport hat
die Macht, die Welt zu
verändern, glaube ich zwar nicht. Aber ich bin sicher, dass der
Sport
die Kraft hat, die Welt zumindest zu verbessern.»
Martin Braxenthaler erhöhte derweil die
Zahl der deutschen
Laureus-Gewinner auf fünf. Nur Michael
Schumacher (2002/2004), Otto
Rehhagel (2005) und
Straßenfußball-Projektleiter Jürgen Griesbeck
(2006) waren vor ihm und Beckenbauer ausgezeichnet worden.
«Ich bin
so glücklich und danke allen, die mich unterstützt
haben», waren
seine kurzen Worte mit dem Laureus in der Hand.
«Ich hätte natürlich
eine lange Rede über die Akzeptanz des
Behindertensports halten
können. Aber das wäre nicht der richtige
Zeitpunkt gewesen», meinte
der dreimalige Goldmedaillen-Gewinner der
Paralympics in Turin.
Trotzdem flogen dem querschnittsgelähmten
34-Jährigen aus
Traunstein, der seit Jahren der überragende
Monoski-Fahrer ist, die
Herzen der rund 800 Festgäste aus Show, Sport
und Politik zu. «Wir
wollen als Sportler ernst genommen werden», sagte der
fröhliche und
bescheidene Top-Athlet. Aber zu oft werde die
Krankheitsgeschichte
wichtiger genommen, als die sportliche Leistung.
Nicht so beim
Laureus-Award, der für Braxenthaler
«momentan die Krönung ist».