Behinderte Kinder brechen dank neuer Medien in ein
neues Leben auf
Von Christina Zäpfel, dpa
Stuttgart (dpa/lsw) - Bis vor
kurzem konnte Yvonne nicht sprechen.
Jetzt benutzt die körperbehinderte
Schülerin aus Markgröningen (Kreis
Ludwigsburg) einen so genannten
«Talker», um sich ihrer Umwelt
mitzuteilen. «Seitdem ist ihr Leben bunter und
aufregender»,
berichtet ihre Mutter. Endlich ist sie nicht mehr
die einzige, die
die Mimik und Gestik ihrer Tochter versteht. Der
Talker, ein
Computer, der auf ihrem Rollstuhl montiert ist,
spricht für Yvonne.
«Danke, das mag ich gerne», sagt er zum
Beispiel, wenn Yvonne eine
bestimmte Taste drückt. Er kann aber auch
sagen «du nervst mich»,
denn er ist nach den individuellen
Bedürfnissen seiner Anwenderin
programmiert. Yvonne ist nur ein Beispiel von vielen, die
ein
Dokumentarfilm des Kultusministeriums mit dem Titel
«Besondere Kinder
- Besondere Wege» vorstellt und der am
Donnerstag in Stuttgart
Premiere hatte.
Darin geht es um neue
Technologien und den Einsatz neuer Medien,
die Behinderte zu mehr Selbstständigkeit und
gesellschaftlicher
Teilhabe verhelfen sollen. Im Rahmen der zweiten
Medienoffensive des
baden-württembergischen Kultusministeriums haben die
beiden
Filmemacher Rolf Jost und Thomas Zippel
dokumentiert, wie Yvonne und
ein gutes Dutzend anderer behinderter Kinder in
ganz Baden-
Württemberg dank der verschiedenen
Technologien neuen Lebensmut
fassen. Kultusstaatssekretär Georg Wacker
zeigte sich beeindruckt:
«Die Behinderten können ihr Potenzial
nutzen und bekommen ganz neue
Zukunftschancen», sagte er anlässlich
der Premiere.
Der Film wird in Zukunft
Sonderschulen und jungen Lehrern, aber
auch Multiplikatoren und Verbänden zur
Verfügung gestellt. Er soll
dazu anregen, auch mal unkonventionelle Wege einzuschlagen,
um
behinderte Kinder besser individuell zu fördern. So wie den
18-
jährigen blinden Sebastian aus Freiburg, der
demnächst sein Abitur an
einer Regelschule ablegt. Er benutzt im
Mathematikunterricht ein
spezielles Grafikdisplay, das es ihm erlaubt,
beispielsweise
Kurvendiagramme zu ertasten.
«Das Thema hat uns
berührt und es hat so viele Überraschungen
bereit gehalten», berichtete Filmemacher Rolf Jost von
den
Dreharbeiten. «Die Kinder, die wir begleitet
haben, sind in ein neues
Leben aufgebrochen.» Der Film setzt sich aus sechs
Teilen zusammen,
die die unterschiedlichsten sonderpädagogischen
Arbeitsfelder wie
Blinden- und Gehörlosen-Pädagogik, aber
auch Autismus, Körper- oder
Lernbehinderungen beleuchten. 2000 Exemplare des
Dokumentarfilmes
sollen jetzt an den Schulen und
Ausbildungsstätten im Land verteilt
werden.
(Internet:
www.besonderekinder-besonderewege-bw.de)