
Berlin, 4. März 2008. Auf Antrag des
Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin gegr. 1874 e. V.
(ABSV) und auf Beschluss des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf
erhält ein bisher namenloser Platz den Namen der blinden
Künstlerin und Pädagogin Betty Hirsch.
Mit der Benennung eines Platzes nach Betty Hirsch
wird die Erinnerung an eine außergewöhnliche
Persönlichkeit wach gehalten, die, ungeachtet der eigenen
Behinderung, vielen blinden Menschen Mut gemacht und ihnen neue
berufliche Perspektiven eröffnet hat.
Betty Hirsch wurde am 15. Januar 1873 in Hamburg
als jüngstes von acht Kindern geboren. Durch einen Unfall
erblindete sie im Alter von 12 Jahren.
Als ausgebildete Konzertsängerin und
Sprachlehrerin - sie beherrschte fünf Sprachen - trat sie in
Konzerten auf und gab blinden und sehenden Schülern Gesangs- und
Sprachunterricht. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Betty
Hirsch auf die Probleme kriegsblinder Soldaten aufmerksam. Sie nahm
Kontakt mit Berliner Kriegsblinden auf, begann sie zu unterrichten und
setzte sich bei verschiedenen Arbeitgebern mit großem Erfolg
dafür ein, blinde Menschen einzustellen.
Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass Blinde
in modernen Berufen ausgebildet wurden, z. B. als
Bürofachkräfte, um ihnen damit die Möglichkeit einer
Arbeit in privaten Betrieben zu geben. Zu Recht gilt sie damit als
Reformerin der deutschen
Blindenbildung.
Als Jüdin emigrierte sie nach der
Machtübernahme der Nationalsozialisten nach England. Von dort
kehrte sie 1947 nach Berlin zurück. In den zehn Jahren bis zu ihrem
Tod setzte sich Betty Hirsch erneut für die nunmehr im Zweiten
Weltkrieg erblindeten Menschen ein.
Aus Respekt vor ihrem Lebenswerk wurde Betty Hirsch
an ihrem 80. Geburtstag das Bundesverdienstkreuz verliehen.
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