Bundesversammlung/Bundespräsident
Ein Blinder wählt den Bundespräsidenten mit
Berlin (dpa) - Keyvan
Dahesch wird das Kreuz hinter den Kandidatennamen Johannes Rau nicht
selbst machen. Eine Bekannte wird den von der SPD nominierten
Delegierten zur Bundesversammlung am Pfingstmontag in Berlin begleiten
und auch für ihn wählen. Dahesch ist das einzige blinde
Mitglied der 1 324köpfigen Bundesversammlung, die das neue deutsche
Staatsoberhaupt wählt.
Dahesch wurde 1941 blind in
Teheran geboren und lebt seit 36 Jahren in der
Bundesrepublik. Er arbeitet beim hessischen Landesamt für
Versorgung Soziales in der Öffentlichkeitsarbeit. Die
«Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben» war an die
hessische SPD herangetreten und hatte Dahesch als Delegierten
vorgeschlagen. Als die SPD im Februar bei ihm anrief, um ihn zu fragen,
ob er denn auch Sympathie für ihren Kandidaten habe, habe er
gelacht, sagt Dahesch. Schließlich sei er seit 30 Jahren Mitglied
der Partei. Für Rau hätte er sehr viel Sympathie, erzählt
er. Schließlich habe dieser sich vehement für Behinderte und
deren Rechte eingesetzt.
Daß er nicht selbst das Kreuz machen kann,
ärgert ihn. Schließlich hätte der
Bundestag mit einer einfachen Schablone und gestanzten
Punkten leicht auch für die Namen unterschiedlich hervorheben
können. «In der Zukunft sollte es keine Ausnahme, sondern die
Regel sein, daß auch Blinde Mitglied der Bundesversammlung
werden.»