München (dpa/lby) - Eine
schwangere Frau, die unschlüssig ist, ob
sie abtreiben oder das Kind bekommen soll: Für
die katholische Kirche
ein heikles Thema und ein Problemfall. Aus dem
staatlichen System der
Schwangerenkonfliktberatung ist die Kirche schon
vor einigen Jahren
auf Druck aus dem Vatikan ausgeschieden. Doch immer
wieder gerät die
Laien-Organisation «Donum Vitae», die
eigenen Angaben zufolge eine
«katholisch geprägte» Beratung
anbietet, aber den zur straffreien
Abtreibung notwendigen Schein ausstellt, ins Visier
der Kirchenoberen
aus Rom. Der Grundtenor: Laien könnten sich
nicht gleichzeitig für
«Donum Vitae» und für Gremien der
Amtskirche engagieren. «Diese neuen
Angriffe haben der Kirche mehr geschadet als
uns», sagt die
bayerische Landesvorsitzende Maria Geiss-Wittmann
rund fünf Monate
nach Bekanntwerden der neuen Forderungen aus dem
Vatikan.
«Donum Vitae»
(Geschenk des Lebens) war von katholischen
Laien
Ende der neunziger Jahre als Reaktion auf die
Anweisungen aus dem
Vatikan gegründet worden. «Wir lassen uns von unserem Weg
nicht
abbringen, wir erfahren hohe Wertschätzung
von der Bevölkerung und
besonders von den Frauen, die unsere Hilfe
brauchen», sagt
Geiss-Wittmann und ergänzt: «Unser Ziel
ist es, Leben zu schützen.»
Von Seiten der Amtskirche vermisst sie
«Respekt, Toleranz» und den
Willen zum Gespräch. «Wir hoffen immer
noch auf einen Dialog.»
Die Kirche in Deutschland vermeidet soweit wie
möglich konkretere
Aussagen zum Thema. Für die bayerischen
Bistümer soll im September
das Katholische Büro Bayern einen
Lösungsvorschlag unterbreiten. Die
Schwierigkeit: Wie den strengen Forderungen aus Rom gerecht
werden
und wie gleichzeitig keinen Aufstand der Laien
provozieren?
Doch zunächst sollten auf
Wunsch der Bischöfe die eigenen
Beratungseinrichtungen der Caritas und des
Sozialdienstes
katholischer Frauen (SkF) in den Blickpunkt
gerückt werden. Sie
beraten Hilfe suchende Frauen, stellen jedoch keinen Schein
aus.
Jüngst suchten oberbayerische
SkF-Ortsverbände mit einer Plakat- und
Postkartenaktion die öffentliche
Aufmerksamkeit. Mit provokanten
Sprüchen wie «In der Badewanne kann man
nicht schwanger werden»
sollte mit Verhütungsmärchen
aufgeräumt werden.
«In respektvollem
Abstand» zu «Donum Vitae» wolle man
zeigen,
«dass die katholischen
Schwangerenberatungsstellen einen eigenen
selbstbewussten Weg gehen, der sich als offenes Angebot versteht,
der
sich an keine Bedingungen geknüpft sieht, der
sich vor allem aber
immer einem qualitätsvollen, breit gefächerten und
fachlich
vernetzten Beratungsangebot verpflichtet
weiß», sagt die Münchner
Ordinariatsrätin Elke Hümmeler. In
München sei der SkF etwa als
Träger von Mutter-Kind-Häusern und von
Frauenhäusern für
gewaltbedrohte Frauen aktiv, unterhalte
Tagesstätten sowie Spiel- und
Krabbelgruppen. «Der SkF leistet
sexualpädagogische Prävention mit
Kindern und Jugendlichen in Schulen, wo auf der
Grundlage von Werten
und einem klaren Persönlichkeitsprofil
verantwortungsvoll über Liebe
und Sexualität gesprochen wird. Es gibt eine
sozialpädagogische
Betreuung von straffällig gewordenen Frauen
und eine intensive Hilfe
und Betreuung obdachloser Frauen», erklärt
Hümmeler.
27 000 Euro pro Einrichtung, so
hat die bayerische Staatsregierung
beschlossen, sollen die 23 katholischen
Beratungsstellen an Zuschuss
erhalten. Das entspreche rund zehn Prozent des
tatsächlichen
Finanzbedarfs, hatte der Münchner Kardinal
Friedrich Wetter unlängst
erläutert. Es stelle sich jedoch weiter die
Frage, wie die Arbeit der
katholischen Einrichtungen adäquat
unterstützt werden könnten. «Es
geht dabei um das Leben ungeborener Kinder. Dies
verdient die
deutliche Anerkennung auch des Staates»,
sagte Wetter.
In Bayern dürfte das problematische Thema
«Donum Vitae» künftig
für weiteren Zündstoff sorgen, da viele
CSU-Politiker der engagierten
Laien-Organisation große Sympathien
entgegenbringen. Im vergangenen
Herbst gehörten beispielsweise
Landtagspräsident Alois Glück, seine
Stellvertreterin Barbara Stamm und
Ex-Staatsminister Hans Maier zu
den Unterzeichnern eines Briefes, in dem
große Wertschätzung für
«Donum Vitae» zum Ausdruck kam. Die
bayerische «Donum-Vitae»-Chefin
Geiss-Wittmann saß für die
Christsozialen im Landtag, ihre
Stellvertreterin Maria Eichhorn ist
CSU-Bundestagsabgeordnete.
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