Glückstränen als Dank - Ein Bayer hilft Versehrten in aller
Welt
Von Bernd Kubisch, dpa
San Salvador 16. Januar
2009 Ana
Josefina Hernandez geht vorsichtig
auf zwei neuen Prothesen durch den großen
Behandlungs- und Werkraum
in der Don Bosco Universität in San Salvador.
Eine Hand umfasst
ein stützendes Geländer. «Die
Gehhilfen funktionieren gut. Muchas
gracias», sagt die 48-jährige in
Gebärdensprache und schaut Heinz
Trebbin aus Bayern glücklich an. Der
Orthopädieexperte nickt der
Taubstummen aufmunternd zu. Antonio Najera
übersetzt die Gestik
seiner Schwägerin und ergänzt: «Ana
hatte das Signal der
Eisenbahnzugs nicht gehört.»
Der 50-jährige Trebbin aus dem
Allgäu hilft seit 25 Jahren
Gehbehinderten und Kriegsopfern wieder auf die
Beine, früher in
Vietnam, Pakistan, Kambodscha und Angola, heute in
Zentralamerika.
Die Don Bosco Uni in El Salvadors Hauptstadt ist
unter der Regie des
Bayern zu einer international bekannten Behandlungs- und
Ausbildungsstätte für Orthopädie und
Gehhilfen geworden, die viele
junge Menschen aus Lateinamerikas und Afrika
anzieht. Mit Förderung
der EU werden derzeit auch 23 junge Leute aus
Angola von Trebbin und
seinem Team ausgebildet.
«Wenn ein Kind, das noch nie
Laufen konnte, mit unserer Hilfe das
erste Mal in die Schule gehen kann und
glücklich lächelt, dann bin
ich immer tief bewegt», sagt Trebbin, der in
Füssen geboren wurde und
in Kempten aufwuchs. Manche Behinderte oder Eltern
hätten vor Glück
Tränen in den Augen. «Das sind die
schönsten Momente in meinem
beruflichen Leben.»
Heinz Trebbin entdeckt noch eine
Druckstelle am Unterschenkel der
behinderten Señora. «Wir werden die
Gehhilfe besser einstellen. Keine
Sorge, das kriegen wir hin», sagt der
50-Jährige. Marvin Borge aus
Nicaraguas Hauptstadt Managua legt gleich Hand an.
Er ist im dritten
Ausbildungsjahr und hat die beiden Prothesen
gefertigt.
Trebbin machte seine Ausbildung zum
Orthopädietechniker
im Sanitätshaus Popp in Kempten. Schon
zu seinen Bundeswehrzeiten in
der Sanitätsakademie München dachte er
daran, im Ausland zu arbeiten.
Dann studierte er an der Bundesfachschule für
Orthopädietechnik in
Dortmund. «Im Ausland werde ich dringender
benötigt, war mir klar»,
sagt der Orthopädietechnikmeister und
studierte Master der
Rehabilitationswissenschaft bei einem Rundgang
durch Don Bosco. «Ich
wollte und will soziale Verantwortung, helfen,
verbessern, ändern.»
In Pakistan zum Beispiel versorgte
Trebbin im Auftrag der Deutschen
Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
Kriegsopfer aus
Afghanistan. Für die von der Bundesregierung
finanzierte GTZ begann
er 1993 mit dem Aufbau von Orthopädietechnik
und Studiengang an Don
Bosco. Wichtiges Ziel der in Eschborn bei
Frankfurt ansässigen GTZ
«ist Hilfe zur Selbsthilfe, auch in San Salvador»,
betont
Pressesprecher Hans Stehling. Die Uni sei mit
Trebbin «zu einer
international renommierten Adresse»
geworden. Studenten und Dozenten
tauschen im Internet weltweit ihre Erfahrungen
aus. So profitieren
laut Stehling «viele Menschen und
Länder von dem
Orthopädie-Projekt».
Trebbin wird oft unterbrochen bei seinem Rundgang.
Studenten,
Lehrlinge und Kollegen fragen ihn um Rat. Teresa
Naschino glättet
gerade ein Gipsteil. Die 26-Jährige aus
Angola sagt: «Wir werden
dringend gebraucht nach unserer Ausbildung in der
Heimat und wollen
unser Wissen an andere junge Angolaner
weitergeben. Noch viele
Minenopfer und Amputierte warten in dem
afrikanischen Land auf Hilfe.
Woher nimmt der Bayer die Kraft für den
Job? «Ich bin körperlich
topfit, mache viel Sport, war im Allgäu in
jungen Jahren auch
Ringer,» sagt Trebbin. «Auch meine
Familie gibt mir viel Glück und
Kraft.» Damit meint er Ehefrau Patricia,
eine Salvadoreña, die
Journalistin ist, sowie Tochter Frida (12) und
Sohn Patrick (2).
Die Familie ist derzeit in Bayern, zumindest für
einige Monate. «Es
ist gut, dass die Kinder nun Deutschland
erleben», sagt der Vater.
Die Uni habe nun auch gute einheimische
Führungskräfte. Von Kempten
aus ist er über Internet, Skype und Telefon
mit denen im Kontakt und
berät die Uni auch bei internationaler
Kooperation. Und sportlich ist
der 50-Jährige fast so aktiv wie früher: «Ich gehe
mit meinen
Langlaufskiern auf Tour. Im Frühjahr setze
ich mich aufs Radl.»
(Kontakt:
heinztrebbin@yahoo.com)
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