Frankfurt strahlt am Main
Lichtgestaltung lässt Flussufer und Dom
erstrahlen
Frankfurt setzt die Mainufer in der City und
den Dom nach einem ausgeklügelten Beleuchtungskonzept in
Szene. Wenn zur Fußball-Weltmeisterschaft auch am Domturm
die neue Beleuchtung eingeschaltet wird, dann ist eines der
aufwändigsten lichtgestalterischen Projekte einer
europäischen Stadt in Frankfurt am Main umgesetzt.

Bild: die beleuchteten Ignatz-Bubisbrücke
Frankfurt am Main (pia) Nachts sind alle
Katzen grau sagt das Sprichwort, doch an den Ufern des Mains
in Frankfurt soll dieses Sprichwort keine Bedeutung mehr haben.
Die Mainmetropole, die schon die beeindruckendste Skyline Europas
hat, will nicht nur am Tag Besucher und Gäste zum Staunen
bringen, sondern auch in der Nacht. Haben die Frankfurter in den
letzten Jahren ihre Mainufer wieder entdeckt und festgestellt,
dass es sich an ihnen genauso gut flanieren, ausruhen und feiern
lässt wie an der Seine, so ist nun die Frankfurter
Flusslandschaft auch nachts zu einem Hingucker geworden. 950
Mastleuchten, 450 Scheinwerfer, 650 Bodenscheinwerfer, 1200 Meter
LED-Leuchten, 25 Kilometer Kabel und Leitungen und 18 Kilometer
Kabelgraben machen im Rahmen des Programms Schöneres
Frankfurt das Mainufer zwischen der
Flößerbrücke im Osten und der Friedensbrücke
im Westen nach Einbruch der Dunkelheit zu einem neuen
innerstädtischen Erlebnisraum.
Den Planern ging es bei der Installation nicht
darum, schlicht mehr Licht auf die Ufer und
Brücken zu bringen, vielmehr sollen sie nach
lichtgestalterischen Grundsätzen angestrahlt werden. Das
Licht soll kein Selbstzweck sein, sondern durch seine Farbe und
Intensität wie auch durch seine Richtung die Gestalt und
Architektur wirkungsvoll inszenieren. Man wolle keine Scheinwelt
erzeugen, betont Frankfurts Planungsdezernent Edwin Schwarz. Das
unterscheide das Projekt von aufdringlichen Werbebeleuchtungen,
bei denen das Licht grell und bunt eingesetzt werde.
Wir haben ein integriertes Projekt
entwickelt, um den gesamten öffentlichen Raum lichttechnisch
aufeinander abzustimmen, erläutert der Dezernent. In
dieses Konzept wurden die Brücken und die
denkmalgeschützten Uferanlagen ebenso einbezogen wie einzelne
Baumgruppen und die Verkehrsbeleuchtung auf den Brücken und
Uferstraßen. Wurden die Mainbrücken und Uferräume
bisher quasi von der Dunkelheit verschluckt oder waren nur
schemenhaft zu erkennen, hat man nun darauf geachtet, dass
der individuelle Charakter jeder einzelnen Brücke durch
ihre Beleuchtung zum Ausdruck gebracht wird, sagt Michael
Hootz, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt und Projektleiter des
Projektes "Illumination Stadtraum Main". Sein
Lieblingsobjekt ist der Eiserne Steg, dessen Eisenkonstruktion
durch die zwischen den Streben eingebauten Lampen besonders gut
zur Geltung gebracht wird.

Bild: der beleuchtete Eiserne Steg
Damit sich die Spaziergänger am Main in der
Nacht auf den mehr als vier Kilometern langen Mainuferwegen zu
beiden Seiten des Flusses wohl fühlen, wurde für die
Uferzonen ein wärmerer Lichtton gewählt. Und durch die
Beleuchtung der Platanen und Baumgruppen von unten, wird der Raum
für die Spaziergänger wahrnehmbarer. Das gilt auch
für die Kaimauern, die Treppenaufgänge und die
Bastionen. Bei der Umsetzung der Lichtgestaltung musste auf die
Blendfreiheit für die Fußgänger ebenso geachtet
werden wie auf die der Schifffahrt auf dem
Main. Auch die Energiebilanz ist trotz der
zusätzlichen Beleuchtung positiv. Nach Angaben des
Planungsdezernenten konnte der Energieverbrauch durch den Einsatz
moderner Lampen um ein Drittel gesenkt werden.
Auch für Frankfurts Kathedrale,
den gerade aufwändig sanierten Domturm, wurde ein eigenes
Lichtkonzept erarbeitet. Nun wird nicht nur der Turm von
außen angestrahlt, zusätzliche Lampen setzen
außerdem auch die Fensterwölbungen und die filigranen
Steinarbeiten in Szene. Wir haben auch bei diesem Konzept
sehr genau darauf geachtet, dass wir den sakralen Charakter des
Turmes und seine mittelalterlichen Sandsteinstrukturen nicht etwa
durch zuviel Licht beeinträchtigen, unterstreicht der
für die historischen Bauten im Hochbauamt der Stadt Frankfurt
zuständige Referent Robert Sommer.
Das Projekt Illumination Stadtraum
Main ist eines der größten Vorhaben für eine
integrierte Stadtbeleuchtung in Europa; insgesamt hat die Stadt
Frankfurt dafür 6,7 Millionen Euro aufgebracht. Hinzu kam
noch ein Förderbetrag der Aachen Münchner
Versicherungsgruppe, die die Beleuchtung der
Flößerbrücke finanziert hat. Rechtzeitig zur
Weltmeisterschaft sind die Frankfurter Mainufer damit
endgültig aus dem Schattendasein herausgetreten.
Hermann Wygoda
Fotos: Hermann Wygoda
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