Hamburg/Friedrichsruh (dpa/lno) -
Sie schwirren, schweben und
flattern jetzt wieder zwischen Orchideen,
Wandelröschen und Palmen im
tropischen Klima ihres Glashauses - all die blau
schimmernden Morpho-
Falter und schwarz-weißen
Schwalbenschwänze, die hellroten, giftigen
Passionsfalter und auch die Atlasfalter mit ihren
bis zu 27
Zentimetern Flügelspannweite. Nach der
Verpuppung können sich die
Besucher nun wieder an den rund 500 Faltern im
«Garten der
Schmetterlinge» in Friedrichsruh bei Hamburg
auf die Saisoneröffnung
freuen. «Für mich sind Schmetterlinge
Symbole der Freiheit», sagt
Fürstin Elisabeth von Bismarck.
Jedes Jahr zwischen März und
Oktober lassen sich rund 80 000 Gäste
von den farbenfrohen Tiere betören - und das
seit 1985, als die
Ehefrau des Reichskanzler-Urenkels Ferdinand von
Bismarck die Anlage
auf ihrem Familienanwesen im Sachsenwald
geschaffen hat. Ein Zeichen
gegen Umweltzerstörung und Artenschwund
wollte die aus Belgien
stammende Adelige damals setzen. Sie ahnte nicht,
welche Kreise ihr
Engagement ziehen würde: zahlreiche Menschen
kommen seither in den
Schmetterlingsgarten, um denen zu helfen, für
die Bewegungsfreiheit
und Lebensfreude oft ein Traum bleiben
muss.
Es begann kurz nach der
Eröffnung des Gartens vor 22 Jahren:
«Schicksalhaft» nennt die
67-Jährige ihre Begegnung mit dem ersten
Besucher im Rollstuhl. Es war Joachim Friedrich,
der 1982 als
Betroffener die Deutsche Muskelschwundhilfe mit
dem Schmetterlings-
Logo gegründet hatte - ein Verein, der den
bundesweit 150 000
Erkrankten Beratungsgespräche bietet sowie im
Raum Hamburg einen
Fahrdienst betreibt. Das alljährliche
Benefizfest taufte der 68-
Jährige «Ball Papillon».
Längst lädt von Bismarck als Vereins-
Schirmherrin zum Fest mit ein - ihre
handgeschriebenen Briefe an
Prominente tragen dazu bei, dass jedes Jahr rund
300 000 Euro
gesammelt werden.
«Allein die Metamorphose
der Tiere ist etwas, was Menschen
fasziniert», meint die Fürstin über die besondere
Ausstrahlung der
Falter. So unterstützt Elisabeth von Bismarck auch den neuen
Verein
«Kinder auf
Schmetterlingsflügeln» mit Sitz in Pansdorf (Kreis
Ostholstein): Dessen Gründer Karl-Heinz und
Petra Adler wollen
helfen, wenn Kinder oder Eltern sterben oder aber
mit Tod und Trauer
konfrontiert werden. Hauptziel ist es, bis 2010
ein Familienhospiz in
Bosau am Plöner See zu bauen - schon heute
werden Trauerbegleitung
und medizinische Versorgung im Krankenhaus oder
daheim ermöglicht.
Als Schirmherrin nahm sie gerade bei der
diesjährigen
Garteneröffnung eine Firmenspende von 5000
Euro entgegen. Damit hat
«Kinder auf Schmetterlingsflügeln» mehr als die
erste halbe Million
von notwendigen drei Millionen Euro für das
Hospiz beisammen. «Wenn
Menschen in Not sind, muss man helfen»,
schildert die Fürstin.
(«Garten der Schmetterlinge», geöffnet bis
Ende Oktober tägl. 9 - 18
Uhr, Infos: 04104/6037. Internet:
www.garten-der-schmetterlinge.de,
www.muskelschwund.de,
www.kinder-auf-schmetterlingsfluegeln.de)