Huskies-Initiative KU.S.S. hilft Jugendlichen zurück ins Arbeitsleben
Von Cornelia Harberg, dpa
Kassel, 17. Januar 2009. Im
Siegestaumel fallen sie sich glückselig in
die Arme. Aber auch wenn ihre Schlittenhunde eine
richtige «Packung»
kriegen, stehen sie wie ein Mann zu ihrem Team.
Hoffend, dass es beim
nächsten Mal anders läuft, wieder ohrenbetäubender
Jubel ausbricht
wie so oft, wenn die Fans der EC Kassel Huskies mit
ihren Jungs auf
dem Eis fiebern. Rainer Lippe,
Geschäftsführer des Kasseler
Eishockey-Clubs, kennt seine Leute auf den
Rängen. Da ist alles
dabei: Ärzte, Anwälte, Lehrer aber auch
viele, die ansonsten
abseits der Gesellschaft stehen.
Jugendliche ohne Ausbildung und
Arbeit, für die die Huskies mehr
als nur ein Sportverein sind. Da wird das Spiel zum
Höhepunkt der
Woche, die Eishalle zum Fixpunkt des Lebens, weil
der Alltag ohne
Perspektiven scheint. Auf der einen Seite also
Menschen einer
Fangemeinschaft, die Hilfe zur Selbsthilfe
brauchen. Auf der anderen
ein renommierter Sportverein, der als
Aushängeschild der Region beste
Kontakte zu Politik und Wirtschaft
pflegt.
Wann Lippe die zündende
Idee für «KU.S.S.» hatte, weiß
er nicht
mehr so genau. Vielleicht war es, als er irgendwann zwischen
zwei
Dritteln durch die Ränge ging und irgendein
Fan ihm jovial auf die
Schulter und den Spruch klopfte: «Mensch
Rainer, kannste mir nicht
mal 'nen Job besorgen?!» Möglicherweise
gaben aber auch die nackten
Zahlen den Ausschlag: Rund 3000 Jugendliche unter
21 Jahren sind in
der Region ohne Job, ihre Arbeitslosenquote liegt
bei 20, die
Migrationsquote bei zwölf Prozent. Sie
gehören ebenso wie Arbeit
suchende Erwachsene über 50 Jahren zur
Zielgruppe der Huskies-
Initiative «KU.S.S. Kultur, Sport und
Soziales e.V.», die Rainer
Lippe im letzten Jahr ins Leben rief.
Erstes Ziel von KU.S.S. ist es,
möglichst Vielen die Chance für
den Einstieg in ein geregeltes Arbeitsleben zu
geben. Als Dreh- und
Angelpunkt dienen dabei dreimonatige Praktika, die
KU.S.S. zwischen
Unternehmen und Bewerbern vermittelt. In der
Praxis läuft das so ab,
dass der Jugendliche sich online bewirbt. In einem
Training wird dann
ein Profil mit individuellen Interessen,
Kenntnissen, Zielen,
Talenten und Begabungen erstellt. Auch die Auswahl
der Branche spielt
eine Rolle, schließlich reicht die Palette
von Wellness, Logistik und
Auto bis hin zu allgemeinen Dienstleistungen wie
auch Post- oder
Energiedienstleister. Nachfolgend geht dann das
Bewerbungsprofil an
einen Unternehmer, der bei Gefallen Kontakt mit
dem Praktikanten in
spe aufnimmt und alle weiteren Details direkt
klärt. Bestenfalls
ergibt sich nach dem Praktikum die Gelegenheit, im
Betrieb eine
Ausbildung oder gar eine Stelle zu bekommen.
Mehr als 100 Jugendliche hat KU.S.S. schon auf
diesem Weg
begleitet. Nicht immer ist daraus eine
Erfolgsgeschichte geworden.
Lippe bedauert, dass manchmal nach der Vermittlung
gar kein Feedback
mehr kam. Andere gaben irgendwann auf. Aber es gab auch
Kandidaten,
die durch KU.S.S. richtig durchstarteten, wach wurden und
ihr
Schicksal in die Hand nahmen.
Genau das mache Mut und habe
immer mehr Institutionen inspiriert,
der Huskies-Initiative zu unterstützen. Dazu zählen neben
der
Diakonie und der Evangelischen
Familienbildungsstätte auch die
Arbeitsförderung Kassel, das Jugendamt, eine
Schule und der
Personaldienstleister Manpower. Schließlich
ist Lippe längst nicht am
Ende mit seinen Ideen. Ein
«Landesjugend-Leistungszentrum» in Kassel
gerade für diese besondere Zielgruppe als
Internat zu errichten,
zählt dazu. Oder auch der Traum von
Beschäftigungsprojekten, in denen
Jugendliche gemeinsam mit Menschen jenseits der 50 Arbeit
und
Lebensinhalt finden. Noch ist das Zukunftsmusik.
Aber das war KU.S.S.
auch mal.
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