In Deutschland gibt es
Schätzungen des Verbands zufolge etwa
100 000 Erwachsene, die kleiner als 1,50 Meter
sind und damit als
kleinwüchsig gelten. «Wir sind eine
Gruppe, die leider schon aus den
natürlichen Begebenheiten heraus oft
übersehen wird», sagte Popp.
Ziel des Kongresses sei es, die Öffentlichkeit
über die Probleme der
Kleinwüchsigen zu informieren. «Wir glauben, dass die
Situation
besser wird, wenn die Menschen über unsere Probleme
Bescheid wissen.»
Rücksicht beginne im Alltag: beim Bäcker
oder beim Metzger.
Gemeinsam mit anderen
Behindertenverbänden will sich der
Verband
der kleinwüchsigen Menschen für mehr
Barrierefreiheit einsetzen. Die
Barrieren würden sich dabei oft an ganz
anderen Stellen zeigen, als
von Nicht-Behinderten gedacht, erläuterte
Popp. «Ich kann zwar
Autofahren, aber leider nicht in einem Parkhaus
parken, denn dort ist
der Bezahlautomat zu hoch angebracht.»
Besonders unangenehm sei der
Gang zur Bank: «Bei einem Bankautomaten
fragen Sie nicht einfach
einen Fremden, ob er ihre Geheimnummer eingeben
könnte.»
Außerdem fordert der Verband eine bessere
Rente für Kleinwüchsige.
«Viele können aufgrund ihrer körperlichen Probleme
nicht lange
arbeiten und müssen schon mit 40 in Rente gehen», sagte
Popp. Dann
würden sie nicht mehr Geld bekommen als
andere Berufsunfähige. «Das
Leben ist als Kleinwüchsiger aber leider sehr
teuer: Alleine die
Kleidung in Sondergrößen kostet
wahnsinnig viel.» Hinzu kämen weitere
Kosten, die für Normalgroße nicht
anfallen. «Ich muss beispielsweise
vom Bahnhof jedes Mal mit einem Taxi nach Hause
fahren, weil ich mit
den schweren Koffern nicht Bus fahren
kann.»
Seit 1968 gibt es den
Bundesselbsthilfeverband Kleinwüchsiger
Menschen. Ziel der rund 400 Mitglieder ist neben dem
gemeinsamen
Kampf für die öffentliche Wahrnehmung,
sich gegenseitig bei Problemen
im Alltag zu unterstützen.
Gespräch: Oliver Hollenstein, dpa