Das Streiflicht
(SZ) Wie man in den Wald hineinruft,
so schallt es heraus, das ist ein altes Gesetz der Kommunikationswissenschaft.
Es dürfte bei den
Germanen entstanden sein und hat seine Geltung
über die kaiserlichen und die romantisch-waldseligen Zeiten bewahrt bis in
unsere Tage, da
der Baumbestand in aller Welt radikal bedroht
ist. Ein Gesetz, das für den Gedankenaustausch in Rufweite konzipiert wurde,
das aber
durchaus sinnvoll erscheint auch im Bereich
der Telekommunikation, wo es um mittlere bis große Reichweiten geht. Für solche
ist in diesem
Lande die Deutsche Telekom zuständig, die
Naturverbundenheit einst sinnlich demonstrierte mit ihrem intensiven Gelb, das
wie purer
Sonnenschein wirken sollte, wie die reine
Lebenslust. Inzwischen gefällt sich die Telekom in laschem Pink, in einem
undefinierbaren Rosa,
das an Schweinchen Schlau erinnert oder an
Babypopos.
Zu letzteren kommt seit Sonntag auch
ein Kaiserarsch. Der Schauspieler Manfred Krug, vormals Liebling Kreuzberg, hat
ihn hübsch poetisch ins
Gespräch gebracht. Seit ein paar Jahren macht
er Werbung für die Telekom, auch für die Aktien, die sie unters börsenselige
Volk streuen
will. Die T-Aktie aber erwies sich als
Missgriff und das Volk suchte Trost. „Können Sie meine Enttäuschung verstehen“,
hat einer der
Betroffenen brieflich den T-Mann Krug gefragt
und diese Frage ausdrücklich nicht nur rhetorisch gemeint. So hat er denn eine
Antwort
zurückgereimt bekommen, dass es schallerte: „Manchmal
stehn die Aktien hoch, und manchmal stehn sie niedrich, ein Auf und Ab, grad
wie beim Arsch vom alten Kaiser
Friedrich . “ Spott und Hohn, Unverschämtheit, Pöbelei . . . Darf
man das: die missgeleiteten Kleinaktionäre so
verarschen? So hat die Bild am Sonntag nachgebohrt, als sie den Brief
veröffentlichte. Man
muss aufpassen, hat die Werbebranche
weitergedacht, dass „die Eigenmächtigkeit des Werbebotschafters nicht gegen die
Kampagne des Auftraggebers läuft“.
Auf die Eigenmacht aber kommt es
gerade an, in jeder Werbung, in jeder Kommunikation. Und wenn man ganz genau
hineinhorcht, schallt es ziemlich klar heraus, worauf Krug mit seinem
vierzeiligen Crash-Kurs in Börsenphilosophie eigentlich hinauswill. Glaubt ihr
wirklich, ruft er uns zu, dass wir Promis persönlich für das haften, wofür wir
Reklame machen – ob das nun Weichkäse oder Wodka ist oder gar Aktien, bei denen
man nicht mal der eigenen Großmutter vertrauen sollte? Das wäre, als würde man
dem Croupier am Spieltisch vertrauen, falls dieser,
bevor er am Roulette-Rad dreht, uns das „Rouge
impair“ im Sonderangebot gäbe. Was soll also dies Gejammer? Wir sind ein Volk
mit Nehmerqualitäten – und wer den Schaden hat, das beweist unsere Geschichte,
dem hilft eine Portion Spott manchmal sehr.