Internationaler
Holocaust-Gedenktag - Deutschland erinnert an Opfer =
Berlin (dpa) - Deutschland begeht den ersten
internationalen Holocaust-Gedenktag an diesem Freitag mit Gottesdiensten,
Schweigeminuten und Kranzniederlegungen. Der Bundestag kommt zu einer
Gedenkstunde zusammen, bei der Parlamentspräsident Norbert Lammert
(CDU) die Ansprache halten
will. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte am Donnerstag in
Berlin: «Das Verbrechen des Holocaust wird für immer unauslöschlicher Teil der
deutschen Geschichte und uns immer währende Verpflichtung für die Zukunft
sein.»
Die Vereinten Nationen hatten den 27. Januar
im November vergangenen Jahres offiziell zum weltweiten Holocaust-Gedenktag
ausgerufen. Schon 1996 hatte der frühere Bundespräsident Roman Herzog den 27.
Januar als nationalen Holocaust-Gedenktag bestimmt. Im Jahr 1945 befreite die
Rote Armee an diesem Tag das Konzentrationslager Auschwitz. In Sachsen-Anhalt
gibt es Gedenk-Veranstaltungen unter anderem im früheren KZ
Langenstein-Zweiberge bei Halberstadt.
Der Minister betonte, es sei eine moralische
und menschliche Verpflichtung, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten. Das
Gedenken bedeute auch, dass antisemitischen und ausgrenzenden Tendenzen
entschieden begegnet werden müsse. «Dazu gehört auch, jeden Versuch, den
Holocaust zu leugnen oder zu relativieren, in aller Deutlichkeit
zurückzuweisen», sagte Steinmeier mit Blick auf die Äußerungen des iranischen
Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.
Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz,
Ute Erdsiek-Rave (SPD), forderte die Schulen auf, an die Judenvernichtung im
Zweiten Weltkrieg zu erinnern. Sie betonte: «Für die Zukunft der Gesellschaft
ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Generationen, die in einem Land
mit freiheitlich demokratischer Grundordnung aufwachsen, wissen, dass
Demokratie und Achtung der Menschenwürde nicht selbstverständlich sind.»
Der Vorsitzende der Linkspartei, Lothar
Bisky, sagte: «Je länger der Holocaust zurückliegt, desto wichtiger ist es,
allen Opfern des deutschen Faschismus ein mahnendes Andenken zu bewahren.» Der
Rechtsextremismus sei nach wie vor eine Gefahr in Deutschland. Der Behindertenbeauftragte
der Unions-Bundestagsfraktion, Hubert Hüppe (CDU), mahnte, auch der vielen
ermordeten Behinderten zu gedenken. Der Lesben- und Schwulenverband appellierte
an die Bevölkerung, zahlreiche homosexuelle Opfer nicht zu vergessen. dpa re/ks
yyzz li
261831 Jan 06