«Ich bin wütend, wie die
Gesellschaft mit älteren Menschen
umgeht», sagte Gantzer. «Wenn man 60 wird, geht's auf
die 70 zu, und
man bekommt den Stempel aufgedrückt: Du bist
jetzt in der
Auslaufphase.» Gantzers Hauptthese: Nicht die
ältere Generation ist
schuld an der Krise der deutschen Sozialsysteme,
sondern die
fehlenden Kinder. «Wir leiden nicht an einer
Überalterung, sondern an
einer Unterjüngung der Gesellschaft»,
sagte der passionierte
Fallschirmspringer. «Wir haben in
Deutschland eine
Altersdiskriminierung. Der Jugendwahn ist
angesagt.»
Gantzer und Beckstein kennen sich seit
Jahrzehnten aus dem
Landtag. Es sei ihm eine Ehre, das Buch zu
besprechen, sagte der
Innenminister. «Viele beklagen, dass ältere und alte
Leute als Last
und Belastung wahrgenommen werden.» Neben
der Analyse der
Sozialversucherungssysteme hat Gantzer auch persönliche
Kapitel über
das Älterwerden eingeflochten -
einschließlich der Frage nach dem
Liebesleben im Alter. «Die Sexualität
habe ich als höflicher Mensch
übersprungen», scherzte Buchkritiker
Beckstein.
Der designierte Nachfolger von
Ministerpräsident Edmund Stoiber
umschiffte trotz Nachfragen von Journalisten die
aktuelle Debatte um
die Zukunft von Ministerpräsident Edmund
Stoiber (65) nach dessen
Abschied aus seinen Spitzenämtern im Herbst.
Beckstein betonte
lediglich, die Altersgrenze gelte für
Politiker nicht. «Ich
vergleiche mich nicht mit dem Papst, der heute
Geburtstag hat. In der
Politik ist die entscheidende Frage, ob man in der
Lage ist, die
Aufgaben zu erfüllen.» Persönlich
bekräftigte er erneut, vor seiner
tatsächlichen Amtsübernahme nichts
über seine Pläne als
Ministerpräsident sagen zu wollen.
Gantzer äußerte sich klar: «Es
sieht so aus, als ob ich diese
Woche meine Bereitschaft erklärte, 2008
nochmal zu kandidieren.» Er
sei der felsenfesten Überzeugung, dass es in
den Parlamenten zu wenig
ältere Abgeordnete gebe, betonte der
Landtagsvizepräsident. Er habe
in der vergangenen Woche 31 Fallschirmsprünge
aus 4000 Metern Höhe
absolviert. «Ich bin völlig fit.»