Powerfrau Bruhn: Erst Ehrung durch Merkel, dann
aufrüttelnder Appell
Von Klaus Weise, dpa
Berlin, 12. September (dpa) - Deutschlands
Behindertensportlerin des Jahres stach
mit ihrem Outfit sogar die einstige Eisprinzessin
Katarina Witt aus -
nach der Ehrung durch Bundeskanzlerin Angela Merkl
sorgte Kirsten
Bruhn mit aufrüttelnden Worten für noch
größere Aufmerksamkeit. Bei
der Berliner Benefiz-Gala am Dienstagabend beklagte
die 39 Jahre alte
Schwimmerin «viele Baustellen im
paralympischen Sport».
Nach der medialen Aufmerksamkeit durch die
Spiele in Peking dürfe
der Behindertensport nicht wieder in vier Jahre
Dornröschenschlaf
versinken, forderte die attraktive Athletin aus
Neumünster, die in
Hut, Leder und tief ausgeschnittener Bluse zur Gala
gekommen war.
«Wir haben den Anspruch, dass auch über
Welt-, Europa- oder deutsche
Meisterschaften in den Medien genauso berichtet
wird, wie bei den
Nichtbehinderten», sagte Bruhn.
Die jüngsten Paralympics
hätten zudem gezeigt, dass im deutschen
Behindertensport auf der Spitzenebene noch vieles
professioneller zu
gestalten sei und das Tempo in anderen
Ländern diesbezüglich deutlich
höher sei. Bei den Sportinternaten, der
Integration in die
Olympiastützpunkte und der finanziellen
Versorgung der Athleten sei
trotz Fortschritten erst ein kleiner Anfang
gemacht.
Bruhn bezeichnete die
Unterstützung durch die Bundeskanzlerin
als
besonders wichtig: «Angela Merkel ist für mich eine
Wahnsinnsfrau.
Wenn sie für etwas steht, gehen viele mit.» Merkel nahm
die Worte auf
und verlangte: «Auch in Zeiten
wirtschaftlicher Schwierigkeiten
müssen wir unser Engagement für den
Behindertensport fortsetzen, weil
das etwas über die Gesellschaft
aussagt.» Die CDU-Chefin würdigte die
Paralympics-Athleten mit dem Überwinden
eigener Grenzen, dem Kampf um
Leistung und der Fairness als Vorbilder für
die Gesellschaft.
Powerfrau Bruhn, die in Peking einmal
Gold und insgesamt fünf
Medaillen gewann und bereits 32 Weltrekorde
aufstellte, ist nach
einem Motorradunfall seit 1991 mit Ausnahme der
vorderen
Oberschenkelmuskulatur querschnittsgelähmt.
Diese Restfunktion
ermöglichte es der sonstigen
Rollstuhlfahrerin, sich an Krücken auf
die Bühne zu begeben und die Ehrung aus den
Händen der Kanzlerin
entgegen zu nehmen.
«Eine solche Auszeichnung
ist keine Routine. Da genieße ich es,
wenn man auf Augenhöhe miteinander reden
kann», begründete die
Athletin, die schon 2004 und 2005 Behindertensportlerin des
Jahres
war, den Kraftakt. Ihren Sieg in der Publikumswahl
bezeichnete sie
als tolle Überraschung, denn die
Konkurrentinnen seien allesamt
«supergeniale Sportlerinnen» gewesen.
«Wenn ich das gewusst hätte,
wäre ich vielleicht doch mit dem Rolli
gekommen und die Rampe hoch
gefahren», sagte Bruhn.
Behindertensportler des Jahres
wurde Radsportler Wolfgang Sacher
aus Penzberg, die Ehrung als beste Mannschaft ging
an die deutschen
Rollstuhl-Basketballerinnen.