Am 12. Juli wird Dr. Hubert Roos 80 Jahre jung!
Belesen, beliebt, bildungshungrig, bescheiden,
hilfsbereit, international angesehen: diese Aufzählung umfasst nur
einen Teil der Eigenschaften, mit denen wir, Klaus Samulowitz und Keyvan
Dahesch, Persönlichkeit und Wirken Hubert Roos' zu beschreiben
versuchen. Aktueller Anlass: am 12. Juli 2006 erreicht Dr. Hubert Roos
das 80. Lebensjahr.
Jeder von uns hat den Jubilar von mehreren Seiten
seines an Ereignissen wahrlich nicht armen Lebens kennen und
schätzen gelernt. Schon seit meinem Eintritt in den Bezirk
Frankfurt des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands erfuhr ich, Klaus
Samulowitz, sein Einfühlungsvermögen und seine Güte.
Damals war er Stellvertreter des Bezirksvorsitzenden Dr. Gerhard
Gleiber. Nach dessen frühem Tod im Jahre 1983 übernahm Dr.
Roos die Leitung des Bezirks. Das Amt des Vizevorsitzenden hatte er
bereits seit 1953, also 30 Jahre, inne. Allen Vorstandsmitgliedern im
Bezirk war und ist er bis heute ein sachkundiger Berater und
unschätzbarer Helfer.
Mir, Keyvan Dahesch, vermittelte Dr. Roos als Dozent im
Hessischen Verwaltungsschulverband 1972/73 Rechtskenntnisse, ohne die
ich meine Laufbahn-Prüfungen nicht erfolgreich abgeschlossen
hätte. Auch die meisten Kolleginnen und Kollegen, die in dieser
Klasse von dem damaligen Amtsjuristen des Schulamtes,
Dr. Roos, in rechtliche Zusammenhänge eingeführt wurden, haben
in- und außerhalb von Frankfurt beruflich beachtliche
Karrieren gemacht.
Lassen wir im Telegrammstil einige Stationen im Leben
des Jubilars vor unserem geistigen Auge Revue passieren:
Am 12. Juli 1926 kam Hubert Roos in Frankfurt am Main
zur Welt. 1937 wehrte er sich bereits als 11 -jähriger gegen das
Verbot der katholischen Jugendbewegung durch die Nazis, brachte heimlich
verfolgten jüdischen und kommunistischen Familien in Frankfurt
Lebensmittel, kundschaftete für einen katholischen Pfarrer und
späteren Prälaten das Geschehen vor dem Gestapo-Gefängnis
aus und verteilte Hirtenbriefe. 1943, mit seinen Schulkameraden als
Luftwaffenhelfer in einer Flakbatterie in Hofheim am Taunus eingesetzt,
schrieb Roos von Hand regimekritische Hirtenbriefe des Bischofs Graf
Gahlen von Münster ab und verteilte diese Kopien nicht nur an
Mitschüler.
Für diesen Widerstand erhielt Hubert Roos, der 1944 als
Soldat eingezogen wurde und am
16. April 1945 bei einer Tretminenexplosion im
Ruhrgebiet das Augenlicht verlor, Ende Januar
1993 zusammen mit 31 anderen Frauen und Männern
die "Johanna-Kirchner-Medaille" der Stadt Frankfurt. "In
Würdigung beispielhaften Widerstandes gegen die Nazidiktatur, der
Maßstäbe für nachfolgende Generationen gesetzt hat, ist
diese Medaille verliehen", lautet die Urkunde, die an die aus
Frankfurt am Main stammende und 1944 hingerichtete
Widerstandskämpferin Johanna Kirchner erinnern soll.
Roos habe nicht nur mit seinem Verhalten in der
NS-Zeit, sondern auch als Kriegsblinder danach beispielhafte
Maßstäbe gesetzt, erklären übereinstimmend seine
Berufskollegen und jene, mit denen er in nationalen und internationalen
Wohlfahrtsorganisationen zusammengearbeitet hat. Als Blinder lernte Roos
rasch Blindenschrift und das Schreiben auf der normalen Schreibmaschine,
studierte Rechtswissenschaft, promovierte mit Auszeichnung und arbeitete
von 1953 bis Ende 1985 als Jurist bei der Stadtverwaltung seiner Heimat
Frankfurt, wo er zwei Jahre lang das Rechtsamt kommissarisch leitete.
Daneben hielt er Vorlesungen an der Goethe-Universität und
bildete
- wie schon gesagt - viele Nachwuchskräfte des
Öffentlichen Dienstes aus.
Neben seinen Ehrenämtern innerhalb des BKD war er
lange Jahre Präsident und Vizepräsident der Internationalen
Katholischen Blindenbewegung. Heute ist er Vorsitzender des Deutschen
Katholischen Blindenwerkes. Wie viele von uns Blinden kann er eine
Enttäuschung nicht verwinden: Als er Leiter des Rechtsamtes werden
wollte, attestierten ihm seine Vorgesetzten hervorragende Leistungen und
zwei Jahre tadellose Arbeit als kommissarischer Leiter, wiesen aber
seinen Wunsch mit der Begründung zurück, als Blinder
könne er Pläne nicht lesen. "Das ist eine vorgeschobene
Begründung. Es gibt gute Assistenzkräfte, die einem
Nichtsehenden Menschen alles bis in
alle Einzelheit vermitteln können", stellt der
weltläufige Jurist Hubert Roos fest.
Der BKD jedenfalls hat die Verdienste seines Mitglieds
seit der Widergründung 1946 u.a. schon 1977 mit der Verleihung der
Goldenen Ehrenmedaille, die ihm der langjährige Bundesvorsitzende
Dr. Franz Sonntag persönlich überreichte, gewürdigt. 19
Jahre später, am 1. März 1996, erhielt Roos ebenfalls aus der
Hand des Bundesvorsitzenden Dr. Sonntag in der - inzwischen leider
verkauften - Kurklinik in Bad Homburg den Silbernen Ehrenbecher, die
neben dem Hörspielpreis höchste vom BKD verliehene
Auszeichnung. Darauf ist der Geehrte besonders stolz, weil der von ihm
hoch geschätzte Dr. Franz Sonntag kurz danach - Ende April - starb,
"Das war leider meine letzte Begegnung mit ihm", sagt Roos, Seit
1971 prägt Dr. Roos als ehrenamtlicher Richter am
Bundessozialgericht in Kassel die Rechtsprechung dieses obersten
Gerichtes mit.
Wir denken, dass Dr. Roos viele Gründe hat, auf sein
Lebenswerk stolz zu sein. Von ganzem Herzen hoffen und
wünschen wir ihm, dass er seiner Familie, Freunden und Verehrern,
zu denen auch wir gehören, in derselben körperlichen und
geistigen Frische noch lange erhalten bleiben möge!
Klaus Samulowitz, Landesverbandsvorsitzender
Hessen-Thüringen des BKD
Keyvan Dahesch,
pensionierter Pressesprecher und
Bürgerbeauftragter des Hessischen Landesamtes für Versorgung
und Soziales